
JANE GOODALL
* 3. April 1934 in London; + 1. Oktober 2025 in Los Angeles
Im Juli 1960 kam eine 26-jährige Engländerin ohne wissenschaftlichen Abschluss am Gombe-Nationalpark am Ufer des Tanganjikasees an. Mit nur 23 Jahren hatte die tierliebe und naturverbundene Jane Goodall sich entschlossen, ihrem Ruf der Wildnis zu folgen und nach Afrika zu reisen – ohne Geld, ohne Ausrüstung, ohne Felderfahrung, nur mit dem festen Wunsch, wilde Tiere zu studieren. Der Anthropologe Louis Leakey gab ihr die Chance, Schimpansen so nah zu kommen wie niemand zuvor, ein Forschungsfeld, das damals ausschließlich Männern mit akademischem Titel vorbehalten war.

Monatelang saß Goodall allein in den Wäldern, um die Schimpansen zu beobachten, die sich schließlich nach und nach an ihre Anwesenheit gewöhnten. Mit unendlicher Geduld und tiefer Empathie begegnete sie den Schimpansen auf Augenhöhe – und ihre Entdeckungen veränderten die Wissenschaft grundlegend. Sie bewies als Erste, dass Schimpansen Werkzeuge herstellten und benutzten, enge soziale Bindungen pflegten, Gefühle zeigten und sogar Kriege zwischen Gruppen austrugen. Bis dahin galten solche Verhaltensweisen als rein menschlich, und Goodall brach damit die starren Grenzen zwischen Mensch und Tier. Die Fachwelt reagierte zunächst mit Skepsis, vor allem weil Goodall den Schimpansen Namen statt Nummern gab – ein Vorgehen, das als unwissenschaftlich kritisiert wurde, sich aber als revolutionär herausstellte.
Mit der Zeit wandelte sich Goodalls Rolle von der Forscherin zur Aktivistin. Sie erkannte, dass die Lebensräume der Schimpansen durch Abholzung, Wilderei und das Wachstum der lokalen Bevölkerung bedroht waren. 1977 gründete sie das Jane Goodall Institute, später auch das Jane Goodall Institut Deutschland, das sich für Artenschutz und nachhaltige Entwicklung in den Dörfern rund um die Schutzgebiete einsetzt. Als UN-Friedensbotschafterin kämpfte sie bis ins hohe Alter unermüdlich für den Schutz unseres Planeten und reiste noch mit über 90 Jahren durch die Welt, um für Natur- und Tierschutz zu werben.
Am 1. Oktober 2025 verstarb Jane Goodall im Alter von 91 Jahren friedlich in Kalifornien. Sie hinterließ die tiefe Überzeugung, dass jeder Einzelne von uns jeden Tag die Welt ein Stück besser machen kann.
Goodalls Geschichte erinnert mich daran, wie viel Zeit und Hingabe es braucht, um wirklich zu verstehen. Mich beeindruckt, dass sie nie aufgehört hat zuzuhören, weder den Tieren noch den Menschen, die mit und von dieser Natur leben, und dass ihr Optimismus selbst über ihren Tod hinaus Bestand hat.





