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FRANCA VIOLA 


* 9. Januar 1948 in Alcamo, Sizilien 

Die 18-jährige Franca wurde 1966 von ihrem Ex-Verlobten und zwölf weiteren Männern entführt und acht Tage lang gefangen gehalten. 

Ihr Peiniger (der Neffe eines Mafia-Oberhauptes) vergewaltigte sie in dieser Zeit und bedrängte sie anschließend dazu, ihn zu heiraten.

Das geht zurück auf das so genannte „Matrimonio riparatore“ (auf Deutsch „reparierende Heirat“). Es besagt, dass nach einer Vergewaltigung die Eheschließung der Frau mit dem Vergewaltiger zwingend ist, um ihre Jungfräulichkeit und ihre Ehre wieder herzustellen.  

Viola weigerte sich jedoch. 

Das hatte für die ganze Familie gravierende Folgen. 

Sie wurden von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, der Vater verlor seine Arbeit und die ganze Familie musste unter Polizeischutz gestellt werden. 

Der Strafprozess begann dann im Dezember 1966 und der Vergewaltiger wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt. Er drohte trotzdem immer wieder Franca umzubringen, um sich zu rächen. Allerdings wurde er 1978 von der Mafia getötet. 

Der Fall bekam in Italien damals eine große Aufmerksamkeit, da es auch im italienischen Strafrecht ein ähnliches Gesetz wie das „Matrimonio riparatore“ gab: Ein Vergewaltiger konnte nicht bestraft werden, wenn das Opfer mit ihm verheiratet war. 

Dieses Gesetz zur „Wiedergutmachungsehe“ wurde 1981 endlich durch die intensive und lange Diskussion um Franca Violas Erlebnisse gestrichen. 

Franca war durch ihre mutige Standhaftigkeit eine Symbolfigur der Emanzipation geworden und erkämpfte einen soziokulurellen Fortschritt im verkrusteten und patriarchistischen Italien. 

Sie sagte damals: „Die Ehre verliert man durch schlechte Handlungen, nicht durch das, was man erleidet.“ 

Und mir kommt direkt ein weiterer Satz in den Sinn: „Die Scham muss die Seite wechseln.“

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